Weingut Piribauer in Neudörfl:

Wie eine Weinkarte entsteht

Eine Weinkarte kann man sich einfach machen. Man ruft einen Großhändler an, nimmt das Standardsortiment und hat achtzig Positionen im Haus. Fertig in einer Woche.

Bei uns stehen deutlich weniger Weine auf der Karte. Das ist kein Versäumnis.

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Neudörfl liegt im Burgenland. Und ist trotzdem näher

Wer Regionalität ernst nimmt, stolpert früher oder später über eine unangenehme Frage. Wo hört die Region auf?

Bei uns wäre die bequeme Antwort: an der Landesgrenze. Niederösterreich hat schließlich Weinbaugebiete genug. Wachau, Kamptal, Weinviertel, Thermenregion.

Nur liegt keines davon in der Nähe. In die Wachau sind es gut zwei Stunden Fahrt. Nach Neudörfl im Burgenland ist es etwa eine halbe Stunde.

Wir haben uns für die Kilometer entschieden und gegen die Verwaltungsgrenze. Ein Wein, der zwanzig Minuten unterwegs war, ist regionaler als einer, der aus dem eigenen Bundesland kommt und dafür halb Österreich durchquert hat.

Der Betrieb

Die Familie Piribauer kam 1859 als Freibauern nach Neudörfl. 1930 sperrten Anton und Anna den ersten Heurigen auf. 1985 übernahmen Anton und Annamaria, und heute führen deren vier Söhne den Betrieb: Anton, Michael, Klemens und Lukas.

Vier Brüder in einem Weingut. Man muss kein großer Menschenkenner sein, um zu ahnen, dass dort auch diskutiert wird.

Die Weingärten liegen an den Ausläufern des Rosaliengebirges, rund um das Wetterkreuz. Zum Betrieb gehört bis heute ein Heuriger. Die Familie lebt also von beidem, vom Wein und von den Gästen. Das merkt man in Gesprächen, weil dort niemand in Katalogsprache über den eigenen Wein redet.

Warum die Trauben dort langsamer reif werden

Neudörfl liegt im Gebiet Rosalia, dem kleinsten Weinbaugebiet des Burgenlands. Seit dem Jahrgang 2017 gibt es dafür eine eigene geschützte Herkunftsbezeichnung, Rosalia DAC, und die steht vor allem für zwei rote Sorten: Blaufränkisch und Zweigelt. Dazu kommt ein Rosé.

Interessant ist die Lage. Das Rosaliengebirge zieht sich auf bis zu 750 Meter an der Grenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland hoch. Von Osten kommt die pannonische Wärme, tagsüber wird es im Sommer richtig heiß. Nachts kühlt es durch die Berge deutlich ab.

Dieser Wechsel ist der ganze Trick. Wärme lässt die Traube reifen, Kühle erhält ihr die Säure. Wo es Tag und Nacht gleich heiß ist, wird der Wein schnell breit und weich. Hier bleibt er aufrecht. Genau das macht ihn zum Essen brauchbar.

Und darum geht es bei einer Weinkarte im Wirtshaus. Nicht um den Wein, der allein im Glas am meisten Eindruck macht, sondern um den, der neben einem Stück Fleisch nicht verschwindet und ein Gemüsegericht nicht erschlägt.

Was bei uns im Glas landet

Von Piribauer haben wir Spitzbua und Brosi (Rose Frizzante) auf der Karte, offen und in der Flasche.

Dazu kommt Wein vom Weinfinder in Neunkirchen. Zwei Quellen, zwei Zugänge, und in Summe eine Karte, bei der wir zu jeder Position sagen können, warum sie draufsteht. Das ist bei achtzig Positionen nicht möglich. Bei unserer schon.

Fragen Sie ruhig nach

Wenn Sie das nächste Mal bei uns sitzen und nicht wissen, was zum Essen passt, fragen Sie einfach.

Tisch reservieren unter 02630 20491 oder schreiben Sie an gasthaus@derhanslwirt.at.